Sonnenuntergang auf hoher See – Fotografin auf einem Kreuzfahrtschiff

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Habt ihr schonmal den Sonnenuntergang gesehen? Ich rede hier nicht von dem alltäglichen, den man so neben dem normalen Alltag wahrnimmt und vielleicht kurz inne hält. Das Auto am Straßenrand parkt und kurz ein Foto mit dem Smartphone schießt, das dieses wundervolle Spektakel übrigens nichtmal annähernd so brillant festhalten kann, wie es in Wirklichkeit ist.

Ich rede hier vom Sonnenuntergang auf offener See. Mitten auf dem Meer. Bei dem der Himmel in den buntesten Farben leuchtet und am Horizont mit dem Wasser verschmilzt. Bei dem man alles vergisst und einfach an der Reling stehen bleibt. Die Zeit still steht. So bunt. So schön. So strahlend. So magisch. Ein magischer Moment, kurz bevor die Sonne ins Meer einzutauchen scheint und es dunkelrot färbt.

Habt ihr das schon einmal gesehen? Unter euch schlagen die Wellen gnadenlos gegen das Schiff und der Wind pfeift euch um die Ohren. Das ist in diesem Moment egal. Es ist magisch. Und kein Sonnenuntergang ist wie der andere.

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Wir schreiben das Jahr 2016, es ist gerade Frühling geworden und ich bin auf der Suche nach etwas neuem. Neue Herausforderungen und gelangweilt scrolle ich mich durch Instagram. An einem Schriftzug auf einem Bild bleibe ich hängen. „Fotografen gesucht.“ Eine kurze Bewerbung, ein Flug nach Hamburg. Bewerbungsgespräch und im September betrete ich zum ersten Mal in meinem Leben ein Kreuzfahrtschiff. Im Gepäck nicht nur meine Fotoausrüstung, sondern auch allen möglichen Kram, den ich nicht brauchen werde und natürlich – Angst. Vor allem Neuen, neue Menschen. Neue Arbeit. Verlaufen. Weinend lande ich schon an meinem ersten Tag im Aufzug und will zurück nach Hause. Das Schiff ist riesig und ich finde meine Kabine nicht mehr. Und auch nicht den Platz, an dem ich in zehn Minuten arbeiten musste.

Es sollte nicht das letzte Mal sein, denn es ist ein Labyrinth. Ich verlaufe mich. Täglich. Mehrfach. Ich vergesse Dinge in meiner Kabine. Am häufigsten mein Namensschild, das ich immer und überall (außer in meiner Kabine) tragen muss. Ich sitze in Trainings von denen ich nichts verstehe, mit Menschen aus fremden Ländern, die ich nicht kenne aber beim Mittagessen wieder treffe. Ein vorsichtiges Lächeln und ein leises „Hi“. Schließlich treffen wir uns heute schon zum zweiten Mal im Gang.

Seitdem ist viel passiert. Ich bin bereits das zweite Mal aufgestiegen und zum zweiten Mal nach Hause geflogen. Der zweite letzte Abend an Bord und unzählige Abschiede. Ich kenne meine Wege im Schlaf und so viele Abkürzungen.

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Ich war in 27 verschiedenen Ländern. Ich habe mich im Katerinenpalast in St. Petersburg gefühlt, wie eine Prinzessin und die Aussicht von der Skisprungschanze in Oslo genossen. Bin mit dem Quad und Buggy über die Insel Fuerteventura gefahren und habe den Affen in Gibraltar die Hand geschüttelt. Seid ihr schonmal auf St. Kitts von Eisenbahnwagon zu Eisenbahnwagon gesprungen und dabei die Aussicht auf die Zuckerrohrfelder? Oder durch die Höhlen von The Baths nahe der Insel Tortola geklettert? Schwimmen mit Rochen und Riffhaien in Belize ist und bleibt definitiv mein Highlight, aber auch im strömenden Regen auf einem Boot durch den Panamakanal zu fahren, war ein Erlebnis. Ich habe in Mexiko eines der sieben Weltwunder bestaunt und bin bin mit einem Raeggae Bus durch Jamaica gefahren. Auf den Spuren von Bob Marley natürlich. Musik. Die norwegischen Fjorde, Wasserfälle in Island, Gletscher hoch oben in Spitzbergen und das Nordkap. Spanien, Frankreich und die Weinverkostung in Portugal. Mit dem Holzschlitten in Madeira den Berg runter fahren, unzählige Aussichtspunkte, Busfahrten, Katamarantouren und natürlich Delphine.

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Das alles gehört dazu. Das alles ist mein Rückblick. Aber das ist noch nicht alles.

Schon bald werde ich auf oder zumindest vor dem höchsten Gebäude der Welt stehen und zum ersten Mal den asiatischen Kontinent betreten. Weitere Länder warten auf mich und meine Rubbelweltkarte wird immer bunter werden. Neue Erfahrungen, neue Erlebnisse, neue Freunde. Das ist es, was es ausmacht. Das fühlt sich wie zuhause an. Irgendwie. Ein riesiges Schwimmendes Haus, nur der Garten ändert sich. Täglich. Neue Länder. Täglich.

Wenn ich euch jetzt noch einmal frage, habt ihr schonmal den Sonnenuntergang gesehen? Auf hoher See? Dann können das sicherlich die wenigsten mit ja beantworten.

Aber es gibt eben nicht nur Sonnenuntergänge. Da sind Stürme. Hohe Wellen. Regen, der gegen die Reling und in das Gesicht peitscht. Tränen. Verzweiflung. Herausforderungen, die unmöglich erscheinen. Menschen, denen man es nur schwer Recht machen kann und die Ansprüche, die man an sich selbst stellt. Zehn bis zwölf Stunden Arbeit täglich und Unverständnis von Freunden zuhause. Das ist doch Urlaub. Wie könnten sie es besser wissen. Das ist nicht einfach. Das macht stark. Aufgeben? Nein. Dafür sind die Sonnenuntergänge zu schön. Und eins ist gewiss, der nächste kommt ganz bestimmt, denn da ist immer Licht. Am Horizont.

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Rumkugeln – Last Minute DIY Weihnachtsgeschenke

Kennt ihr das? Ihr seid ganz spontan bei Freunden eingeladen, so kurz vor Weihnachten und wollt unbedingt was kleines mitbringen? Aber eben nicht die Flasche Wein, die man noch schnell im Supermarkt besorgt? DIY ist immer eine super Idee und Süßes mag ja bekanntlich fast jeder.

Ich binde jedes Jahr noch etwas kleines an meine Weihnachtsgeschenke und in diesem Jahr sind es Rumkugeln (alle meine Freunde, das habt ihr jetzt nicht gelesen!)..

Die Rumkugeln sind wirklich schnell gemacht und schön verpackt ein wirklich süßes, kleines Geschenk.

Für eine Postion (ca. 40 Rumkugeln) braucht ihr:

  • 250g Bitterschokolade
  • 25g Butter
  • 1EL Milch
  • 1EL Puderzucker
  • 25g Kakaopulver (ich habe tatsächlich Kaba genommen, weil ich keinen Kakao mehr hatte, geht auch)
  • 3EL Rum (ich habe braunen verwendet)
  • Schokostreusel

Zuerst müsst ihr die Schokolade schmelzen, das geht am besten im Wasserbad (einfach ein bisschen Wasser in einen Topf geben und auf dem Herd zum Kochen bringen, danach die Schokolade in einen kleineren Topf und auf den größeren Topf stellen. Durch den heißen Dampf wird sie schön flüssig und verbrennt nicht).

Sobald die Schokolade geschmolzen ist, rührt ihr alle restlichen Zutaten nach und nach unter und lasst die Masse anschließend abkühlen.. Nachdem es gerade draußen so schön kalt ist, habe ich sie einfach auf den Balkon gestellt. Alternativ könnt ihr den Topf aber auch in den Kühlschrank packen.

Wenn alles schön kalt und fest geworden ist, formt ihr mit den Händen kleine Kugeln und wälzt sie direkt in den Schokostreuseln. Keine Sorge, wenn die Masse etwas har ist, denn in euren Händen wird sie wieder schön weich, sodass die Streusel auch gut haften bleiben.

Fertige Kugeln am besten noch einmal eine Stunde in den Kühlschrank bevor ihr sie verpackt, dass sie ihre Form nicht verlieren.

Als Verpackung habe ich einfach ein paar süße Muffinförmchen in Gold mit Sternen in kleine Tütchen gesteckt, mit den Kugeln gefüllt und anschließend mit einer hübschen Schleife zugebunden. Da sind eurer Fantasie keine Grenzen gesetzt.

Dann wünsche ich euch guten Appetit und viel Spaß beim Verschenken!

Verratet mir doch mal in dem Kommentaren, wenn ihr öfter solche DIY Posts haben wollt, dann weiß ich, was euch gefällt.

Und dieses Jahr bringe ich Zeit mit.

„Da liegt noch ein Paket unterm Weihnachtsbaum!“, freudestrahlend und hoffnungsvoll sieht der kleine 5-jährige seine Mama an. „Das ist nicht für dich!“… – und auch nicht für mich, schließe ich daraus und habe auch vorher nicht daran gedacht. Das liegt da eben, so wie jedes Jahr. Bis es irgendwann verschwindet.

„Hast du deine Geschenke gezählt? Ich hatte 25 und du? Hattest du eins weniger als ich? Ich glaube ja, ich hatte wirklich mehr als du. Aber dein eines war viel größer. Warum machst du das größte Geschenk nie zuerst auf? Da sind doch immer die besten Sachen drin.“

  • ist mir egal. Das war es schon damals, mit fünf.

Leise rieselt der Schnee und wir alle hetzen von Geschäft zu Geschäft und versuchen das perfekte Weihnachtsgeschenk zu finden. Oder eben einfach nur irgendwas. „Deine Oma hat Zeit mitgebracht für dich, keine Geschenke.“ Wie oft sie diesen Satz sagte und noch heute erzählt sie mir ganz stolz davon. Zeit. Verschenken wir dieses Jahr Zeit? Ich fange an zu überlegen und frage mich, wie man Zeit am besten verschenkt. Man liest es ja überall Die Blogs, Instagram und Youtube sind voll davon, doch wie verschenkt man Zeit?

Ein Gutschein für ein gemeinsames Abendessen? Das habe ich vor Jahren einmal versucht und bis jetzt hat es nie stattgefunden, weil dann immer jemand eben doch keine Zeit hatte. Auch gemeinsame Parties und das Eis essen von Papa und drei Kindern wurde niemals eingelöst.

Zeit haben. Zeit nehmen.

Zeit bekommen.

Zeit verschenken?

„Deine Oma hat Zeit mitgebracht für dich, keine Geschenke.“, ich erinnere mich.

Zeit mitgebracht. In goldenem Papier eingewickelt?

Sicher nicht.

Zeit mitbringen. Das heißt wohl, nicht nach nur einer Stunde wieder los zu müssen, aber ist eine Stunde nicht auch schon Zeit? Zeit, die man sich nimmt?

„Ich kann heute leider doch nicht. Tut mir leid, mir ist etwas dazwischen gekommen. Sorry, ich arbeite heute länger als gedacht. Ich bin total gestresst, ich habe Kopfschmerzen.“

Haben wir das nicht alle schon gesagt? Jedes Mal auch wirklich so gemeint? Oder wäre da nicht doch noch Zeit gewesen, die wir hätten mitbringen oder nehmen können?

„Deine Oma hat Zeit mitgebracht für dich, keine Geschenke.“ und doch lag da immer auch ein Geschenk unterm Baum, von dem es hieß, das hat die Oma für das Christkind besorgt. Also hatte die Oma auch Zeit, dem Christkind zu helfen. Schon wieder Zeit.

Zur Zeit gehören also immer zwei. Es reicht nicht, wenn ich Zeit mitbringe oder verschenke und derjenige, der es bekommt nicht das selbe tut. Dann ist meine Zeit umsonst. Dann hebe ich sie lieber auf, für mich. Doch ich werde nicht aufgeben und dieses Jahr für jeden, der mir wichtig ist, ein bisschen mehr Zeit mitbringen, als ich es bis jetzt getan habe. So liegen auch dieses Jahr wieder ein paar Geschenke unterm Weihnachtsbaum, die wir schon lange nicht mehr zählen und ein Geschenk wird auch 2017 wieder dort liegen bleiben, bis es eines Tages verschwunden ist.

Es ist für dich. Denn dir kann ich keine Zeit mehr schenken.

Die Blume

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Und am Ende war ich doch nur eine Blume. Gepflückt für ihre Schönheit und weggeworfen als die erste Dorne einen winzigen Stich andeutete. Das tat nicht weh. Kein Blut. Kein Schmerz.

Danach nur Schweigen. Du blickst mir tief in die Augen und kannst das Leuchten, das Strahlen darin noch sehen, bevor ich anfange zu welken. Bevor du mich endgültig weg wirfst. Einfach liegen lässt.

Was hast du erwartet? Eine Blume verliert ihre Pracht, wenn man sich nicht darum kümmert.

Das erste Blütenblatt fällt. Vertrauen. „Er liebt mich.“ Aber wo bist du dann jetzt? Du sitzt vor mir und siehst mich nicht an. Behauptest steif und fest, du würdest mich nicht sehen. Nichtmal ansehen. Das wirkt glaubhaft. Lügen. Eine vorsichtige Umarmung doch auch sie kann nicht über die Enttäuschung hinweg sehen. Ein gebrochenes Herz kann sie nicht reparieren. Da ist etwas zwischen uns. Liebe oder Abstand?

Das zweite Blütenblatt fällt. Hoffnung. „Er liebt mich nicht.“ So viele geschmiedete Pläne und der Glaube daran, dass wir uns wiedersehen. Das war nicht einfach. Das war ein Kampf. Jeden Tag. Aufgeben? Das bin ich nicht. Der Glaube daran, dass es klappt. Dass es echt ist und sich nicht nur echt anfühlt. Jetzt sind da Scherben. Dornen. Noch mehr als vorher. Du hast vergessen mich ins Wasser zu stellen. Zu gießen. Meine Blätter werden braun. Einfach so. Es ist so wie es ist und einfacher abzuschließen als um etwas zu kämpfen, das man längst verloren hat. Viel zu oft vergessen wir aus Sturheit worum es wirklich geht… wir töten uns mit Blicken und zielen. Schießen. Das ist wie Krieg. Aber hier geht es nicht ums gewinnen… nicht ums verlieren.

Das dritte Blatt. Gemeinsam. „Er liebt mich.“ Jetzt bin ich alleine und mit Tränen in den Augen starre ich auf unsere Fotos. Auf Tage an denen meine Blätter noch bunt waren und ich strahlen konnte. Mein Kopf ist leer und gleichzeitig unglaublich laut. Er schreit mich an. Du schreist mich an mit deinem Schweigen. Doch ich kann nichts sagen. Mich nicht bewegen, denn mir fehlen die Wurzeln. Der Boden. Die Erde. Der Halt, da ist nichts mehr.. Nur das Gefühl zu fallen. Fallen gelassen zu werden. Von dir und deinen Lügen, die den Sturz nicht bremsen können sondern ihn nur beschleunigen. Ich versuche zu schweben, doch ich kann nichts tun. Es ist so unglaublich laut in meinem Kopf und am liebsten würde ich schreien.

Die Worte bleiben mir im Hals stecken.

Das vierte Blütenblatt fällt. Verzweiflung. „Er liebt mich nicht.“ Allzu gerne würde ich dich anflehen zu bleiben. Nicht zu gehen. Es ist noch nicht zu spät eine Vase zu holen. Oder Erde. Oder beides. Für einen Kuss und eine Versöhnung ist es nie zu spät. Für die Liebe ist es nie zu spät. Es ist nie zu spät zu kämpfen. Wenn man liebt, geht man durchs Feuer und du lässt mich nicht nur fallen, du schürst es auch noch. Machst mir den Weg zur Hölle. Ich kann sie fühlen, die Flammen auf mir. Sie brennen. Sie verbrennen. Solange bis nichts mehr übrig ist.

Das fünfte Blatt. „Er liebt mich…“Es fühlt sich wie Liebe an. Wie eine Sommerliebe, obwohl nichtmal  Sommer war. Keine Sonnenstrahlen auf unserer Haut und nicht die strahlend grünen Wiesen unter unseren Füßen. Eigentlich ist das kein Sommer. Das war er auch nie. Trotzdem bist du meine Sommerliebe. Wirst es immer sein. Diese besondere Erinnerung an eine Zeit, die wir gemeinsam verbracht haben. Wenige Wochen, in der wir den Himmel auch ohne Sonne zum Strahlen brachten. Und unsere Herzen. Das bleibt so. Das behalte ich einfach. Wenigstens das kannst du mir nicht wegnehmen und nicht kaputt machen.

Aus der Ferne blickst du mich an. Liebevoll. Hoffnungsvoll. Doch für dich gibt es keine Hoffnung mehr. Ich habe dir mein Herz vor die Füße gelegt. Dich darum gebeten, es aufzuheben. Doch du hast es nur berührt. Einfach liegen lassen. Jetzt packe ich es ein. Nehme es dir einfach wieder weg, denn du hast es nicht verdient.

Ich weiß, was ich bin und ich weiß, was du nicht bist. Du bist nur eine Sommerliebe. Eine Romanze, die endete bevor sie begann. Und ich bin eine Blume, gepflückt für ihre Schönheit und zurückgelassen, als die ersten Dornen zu spüren waren. Doch das gehört dazu.

Du bist ein Schatten auf meinem Herzen.

Hier ging es nie um uns. Aber zusammen, das bist eben nicht nur du. Zusammen bedeutet gemeinsam. Du und ich. Wir. Doch das hat es für dich nie gegeben. Da gehe ich meinen Weg lieber alleine, denn dann weiß ich, dass ich nicht auf dich warten muss. Nicht auf uns warten muss. Wir haben ein Leben. Und das ist zu kurz für Vergeblichkeit. Für endloses Warten. An deinem Fenster kann ich längst sitzen und hinaus schauen in die Welt, die aus meinem Fenster ganz anders aussieht. Und dabei höre ich dieses eine Lied, das mich immer an dich erinnern wird. Heute wieder mit einem Lächeln, denn es tut nicht mehr weh.

Ich packe meine verwelkten Blütenblätter ein, werfe einen letzten Blick zurück, bevor ich meine Augen nach vorne richte. In eine Zukunft, die sich noch so oft anders gestalten wird, als ich es mir heute erträume……

…und ein Lied, das sie nicht bis zum Ende hörten…

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Jedes Mädchen hat einen Jungen, den sie nie vergisst und einen Sommer in dem alles angefangen hat…..

Und dann höre ich wieder dieses Lied. Das eine, das mich für immer an dich erinnern wird, obwohl wir es niemals zusammen von Anfang bis Ende gehört haben. Ich habe es alleine gehört. Zumindest bis zum Ende, denn noch bevor der Sänger den ersten Refrain erreichte, warst du fort. Einfach verschwunden in einen Abend, dem ein so intensiver Tag voraus ging. Den die Realität einholte, bevor der Traum ausgeträumt war. Aufwachen. Das dumpfe Zuschlagen der Autotüre hallt in meinem Kopf nach und noch heute baue ich es in dieses eine Lied ein, wenn ich es höre. Noch immer sehe ich die Schneeflocken, die sich glitzernd auf der Windschutzscheibe meines Autos ausbreiten und durch die ich die flackernde Straßenlaterne des leeren Bahnhofsparkplatzes sehen kann. Ich drehe das Radio ein bisschen lauter und versinke in die Erinnerung, die so weit entfernt ist, als wäre es nur ein Traum und niemals Realität gewesen. Vielleicht war es das. Ein Traum……

Er sah sie durchdringend an, als sie sich zum ersten Mal auf dem Bahnsteig gegenüber standen. Zugegeben, sie hatte sein Profil bei Facebook im Vorfeld schon fast auswendig gelernt, aber dieser Blick? Den konnte wohl kein Foto festhalten. Er ging tief und traf sie mitten ins Herz. Ob ihm das bewusst war, sollte sie niemals erfahren.

Als er sich neben ihr auf dem Beifahrersitz platzierte, schlug ihr das Herz bis zum Hals. Nie zuvor hatten sie sich gesehen, doch sie hatten ein gemeinsames Ziel. Einen Ort. Zwei gemeinsame Wochen lagen vor ihnen. Zwei Wochen. Das hörte sich lang an. Wirklich lang. Genug Zeit eben um sich kennen zu lernen.

Sie konnte seine Blicke spüren, die auf ihr ruhten, während sie fuhr und auch den anderen beiden auf dem Rücksitz entgingen sie nicht. Sie schwiegen.

Auch die nächsten Tage. Immer wieder diese strahlend grünen Augen und die Nähe. Geborgenheit und zufällige Berührungen. Lächeln und wieder sah er sie an. Verloren. Einen Moment nicht aufgepasst und seine Lippen landeten auf ihren. Kein besonderer Moment. Kein Date und auch nicht geplant. So schnell wie er sie geküsst hatte, verschwand er auch wieder und ging weiter seinen Aufgaben nach.

Doch sie war gefangen. Gefangen in ihren Gedanken, einer Welt, die sie sich selbst zu gerne schuf um der Realität zu entfliehen. Es fühlte sich an, wie ein Traum. Sie wankte, fasste sich jedoch gleich wieder und ein Lächeln trat auf ihr zartes Gesicht.

Könnte sie doch nur die Uhr ein paar Minuten zurück drehen und ihn noch einmal küssen. Aber da war nichts. Die Türe, die er hinter sich zugezogen hatte, blieb verschlossen. Er kam nicht zurück.

Auf diesen einen Kuss folgten zwei Wochen voller Schmetterlinge und Abenteuer. Lange Gespräche im Treppenhaus und viel zu wenig Schlaf. Nächte unter freiem Himmel, Lagerfeuer, Stockbrot und warme Decken. Könnte dieser Sommer doch niemals enden. Niemals!!!

Über das Ende sprachen sie nie. Und auch nicht darüber, ob es überhaupt ein Ende gibt. Einen Abschluss… Oft dachte sie daran, doch „du musst im Moment leben und ihn genießen“, hatte ihr einmal jemand gesagt. „Zerstör nicht den Moment mit Sorgen über die Zukunft.“ Aber Pläne gab es dann doch. Spontan ein paar verlängerte Tage, eine lange gemeinsame Autofahrt. Picknick. „Ich liebe dich“. Doch sie konnte nichts sagen. Nicht antworten. Es lag ihr auf der Zunge, aber sie brachte kein einziges Wort heraus. Erwartungsvoll sah er sie an, doch so sehr sie sich wünschte, sie könnte antworten, so sehr stockte ihr der Atem und blockierte die Worte, die er zu hören hoffte. Sie verabschiedeten sich. Den Kopf voller schöner Erinnerungen und eine selbst gebrannte CD war alles, was ihr von ihm blieb.

Ein paar Monate später ein Päckchen aus Südfrankreich. Dinge, die sie an ihn erinnern sollten und ein Brief, der Bände sprach, doch ein Wiedersehen? Nicht geplant. Nein, nichtmal vorgeschlagen. Tagelang jeden Tag eine Sms. Das Telefon blieb stumm. Er blieb stumm. Antwortete nicht.

Es war kurz vor Weihnachten, als glitzernde Schneeflocken vom Himmel fielen und die Welt in ein zartes weißes Kleid hüllten. Die Hoffnung hatte sie längst aufgegeben, als plötzlich sein Name auf ihrem Handydisplay erschien. Aufregung. Freude und so viele Fragen. Ein spontanes Treffen auf dem Weihnachtsmarkt. Ein trauriges Gespräch und ein Lied, das sie nicht bis zum Ende hörten……

Hier geht es ums Leben.

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Ich sitze im Bus und die weite Landschaft zieht an meinem Fenster vorbei. Ich möchte ein Foto machen, doch bei jedem Versuch spiegeln sich die Sitzreihen in der Scheibe, was es mir unmöglich macht. So schließe ich meine Augen und versuche mir das Bild in meinen Kopf einzubrennen. Das will ich nicht vergessen.

Und während ich hier sitze und meinen Blick schweifen lasse, steigst du am anderen Ende der Welt gerade in ein Flugzeug. Mit einem Becher Kaffee in der einen und einer feinsäuberlich gefalteten Zeitung in der anderen Hand.

Du drängelst dich durch die Sitzreihen auf dem Weg zu deinem Platz. Ein Kind schreit und als die Mutter versucht, den Koffer in das Handgepäcksfach zu hieven, stößt sie dabei gegen den Kaffee. Der Becher kippt und die braune Flüssigkeit ergießt sich über dein weißes Hemd und den Boden des Flugzeugs.

Anstatt zu fluchen, wie ich es getan hätte, bleibst du ruhig und nimmst die Entschuldigung mit einem Lächeln entgegen. Du kämpfst dich weiter durch zu deinem Platz und endlich dort angekommen, schlägst du die Zeitung auf.

Hungersnot in Afrika. Die Frau auf dem Foto hält schützend und traurig ihr Kind in den Armen. Während du Zeile für Zeile die Nachrichten in dir aufnimmst, kämpft sie ums Überleben. Und um das Leben ihres Kindes. Kein Kaffee.

Ein weiterer Terroranschlag. In Paris zündet jemand ein Auto an, während wir hier alle Kerzen anzünden. Es ist kurz vor Weihnachten und wir hetzen von einem Supermarkt, von einem Geschäft zum nächsten und während wir uns nicht entscheiden können, ob die goldene oder die silberne Uhr ein schöneres Geschenk ist, muss sich jemand entscheiden, ob die lebenserhaltenden Geräte ab geschalten werden sollen, oder nicht.

In diesem Moment stirbt ein Mensch. Ein Kind. Eine Katze.

Das sieht einfach so schön aus hier. Endlich ist die Sonne hinter einer kleinen Wolke verschwunden und ich schnappe mir mein neues iPhone. Ich öffne die Kamera app und schieße ein Foto, während er dort draußen irgendwo einen Mann erschießt.

Das steht dann morgen auch in deiner Zeitung, die du wie selbstverständlich beim Frühstück im Cafe nebenan aufschlagen und richtend mit dem Kopf schütteln wirst.

Dass er keine Wahl hatte, das wissen wir nicht, denn auch hier ging es ums Leben. Ums überleben.

Du nippst an deinem Glas Champagner. Der letzte Schluck. Das letzte bisschen kostbares Wasser in der Wüste. In der Hitze.

Brennende Wälder und noch mehr brennende Kerzen. Während wir heilig Abend feierlich durch den Schnee in die Kirche stapfen, eingepackt in dicke Jacken, die Füße in warmen Stiefeln, flüchtet sie barfuß in die Moschee. Flucht vor dem Krieg. Flucht vor ihm.

Wir schlittern über die verschneiten Gehwege. Zum Spaß. Und jemand anders schlittert mit seinem Wagen gegen den nächsten Baum.

Ich hole erneut mein Smartphone aus der Tasche und wähle deine Nummer. Es klingelt, während sie irgendwo traurig und verzweifelt vor ihrem Telefon sitzt, das einfach nicht klingeln will. Weil er nicht angerufen hat, obwohl er es versprochen hatte. Und irgendwo anders sagen sie ja, weil sie ihre Versprechen halten. Halten müssen. Weil sie „schon“ 14 ist und keine Wahl hat. Sie schreit.

Du holst deine Kreditkarte aus deiner Tasche, um dein Frühstück zu bezahlen, denn du hast nur noch wenige Euros im Geldbeutel. Keine Kreditkarte und der letzte Euro ein paar Mal in der Hand gedreht. Das reicht nicht bis zum Ende des Monats.

Ich schließe meine Augen und denke zurück an den Sommer, als wir alle am Strand saßen und dem Krebs zusahen, wie er vergeblich versuchte, den Wellen auszuweichen. Wie jemand schockiert, wütend und traurig ein CT Bild betrachtet. Den Krebs betrachtet.

Die Sonne versinkt langsam am Horizont und geht irgendwo auf dieser Welt gerade wieder auf. Für jemanden beginnt ein neuer Tag. Im Paradies. Ein neuer Kampf ums Überleben. Ums Leben.

Als du seufzend deine Zeitung zuklappst und von dem Sitz aufstehst, weißt du nicht wie gut es uns eigentlich geht, während ich hier im Bus sitze und immer noch begeistert den Auslöser drücke.

Und plötzlich war mein Einhorn weg…

Ich liege auf dem Bett, in die weiße Bettwäsche eingekuschelt, starre an die Decke und Tränen laufen unablässig meine Wangen hinunter. „Aber das war doch dein größter Traum.“ „Das wolltest du doch immer.“ „Komm erstmal heim, dann kannst du ja nochmal drüber nachdenken…“, ihre Worte hallen in meinem Kopf wider und ich versuche einen klaren Gedanken zu fassen.

„Nein, nein, nein!“, schreit es in mir. „Ich will das nicht. Es ist mir nicht wichtig. Nicht mehr!“

Doch wie könnte ich erwarten, dass sie es verstehen. Ich verstehe es oder besser gesagt mich ja selbst nicht. Sie kannten mich, aber das ist vorbei. Ich kenne mich selbst nicht mehr. Ich schließe die Augen und schlafe ein….

„Komm lass uns spielen, dass unsere Fahrräder Pferde sind.“, strahlt mich meine achtjährige beste Freundin an und ich nicke. Es wäre sinnlos zu diskutieren, dass mein Fahrrad kein Pferd ist, sondern ein Einhorn, denn für sie existieren Einhörner nicht und werden aus dem Spiel verbannt. Während wir durch die kleinen Straßen der Wohnsiedlung „reiten“, weiß also nur ich, dass ich eigentlich fliege und mein pinkes Fahrrad eine Regenbogen farbene Mähne hat, die im Wind weht…..

Ich bin ein richtiges Mädchen. Glitzer. Das ist so schön. An meinem ersten Schultag musste ich die schwarzen Lackschuhe im Zoo alle paar Schritte an meiner Strumpfhose abwischen, da sie vom Kiesweg total staubig waren. Und natürlich Mamas Lippenstifte. Einer war so schön pink und ich glaube bis heute weiß sie nicht, dass er eines Tages wie von selbst in meiner kleinen Schatzkiste verschwunden ist. (Tut mir leid Mama..) er steht jetzt auf meinem Schminktisch.

Stunden habe ich in Omas begehbarem Schuhschrank verbracht und heimlich alles durchprobiert. Röcke aus Bettlaken und Schleier aus Vorhängen. Ich erinnere mich noch, wie mein Opa geschimpft hat, als ich schon wieder eine Krone aus der aktuellen Zeitung gebastelt hatte.

„Mama, ich will Prinzessin werden.“ Vermutlich war meine Mutter damals garnicht schockiert, denn sie kannte mich. Sie kennt mich. Ein Traum. Ein Plan. Ein Ziel. Erreicht.

Jetzt ist es anders. Ich habe immer noch Träume. Und Ziele. Und Pläne. Aber Wie soll ich meinen Freunden erklären, dass mein Fahrrad einfach nur ein Fahrrad ist. Kein Pferd. Und schon gar kein Einhorn.