Was sollte sich hier verändert haben?

 

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„Was sollte sich hier veränder haben? Alle leben in ihrem alten Trott. Genauso wie vorher…“ Sagt sie fast schon teilnahmslos, während es eine kurze Zeit dauert bis die Worte in meinem Kopf ankommen.

Was habe ich erwartet? Dass sich meine Welt in 5 Monaten komplett verändert? War es mehr Angst als Erwartung? Doch irgendwas muss sich verändert haben. Doch scheinbar ist danichts. Alles ist wie zuvor. Der Alltag. Das Leben.

Ich komme nach 5 Monaten zurück nach Hause. Ich habe die Welt gesehen. Zumindest fühlt es sich so an. Einen kleinen Teil. Und ich habe gearbeitet. Gelernt. Gelacht, geweint, getröstet, geträumt, zugehört, gefeiert, getanzt, erzählt, aufgebaut, erlebt, vermisst, gefunden und geliebt. Vor allem geliebt.

Freunde, Situationen, lektionen, Erinnerungen. Spaß und Pflicht. Alles mitgenommen und nichts vergessen. Ich habe es in meinem Kopf. Manches in meinem Herzen.

Ich habe Fragen gestellt und mich weiterentwickelt. Ein bisschen mehr ich. Ein weiterer Traum ist erfüllt. Viele Punkte auf der Bucket-List abgehakt. Nicht alleine, sondern zusammen.

Ich habe mich verlaufen. Mehrfach! Geholfen und gekämpft. Für ein Ziel. Der Rückflug nach Hause. In den Alltag. In das Leben, das ich vor 5 Monaten fein säuberlich in meiner kleinen Wohnung eingeschlossen habe. Auf das ich einen Blick zurück riskiert habe mit der Hoffnung, dass alles noch so sein wird, wenn ich zurück komme. In der Erwartung, dass sich alles verändert hat.

Nicht bloß die Jahreszeit. Die grünen Blätter sind verschwunden. Auf den Ästen glitzert der Schnee in der Sonne. Wunderschön.

„Was sollte sich hier verändert haben? Alle leben in ihrem alten Trotz. Genauso wie vorher….“ Die Worte hallen in meinem Kopf nach und mir wird bewusst, dass ich es bin die sich verändert hat. Die es nicht glauben wollte und trotzdem kommen sah. Die sich an weise Worte erinnert, die sie vor 5 Monaten gehört hat: „Es ist nicht einfach zu gehen, aber es ist schwer nach Hause zu kommen.“

Und so packe ich alles in meinen Koffer. Was keinen Platz hat behalte ich im Herzen. Auf ein Wiedersehen. Und einen Abschied, der mir sicher ein paar Tränen abverlangt. Viele Umarmungen und Stolz. Eine lange Liste an E-Mail Adressen und Telefonnummern. Namen und Erinnerungen. Geschichten zu erzählen und Momente die bleiben.

Ich habe gearbeitet. Gelernt. Gelacht, geweint, getröstet, geträumt, zugehört, gefeiert, getanzt, erzählt, aufgebaut, erlebt, vermisst, gefunden und geliebt. Vor allem geliebt. Ich habe einfach gelebt.

 

Und dann habe ich das Meer gesehen

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Blau. Tief. Und so unendlich geheimnisvoll. So viel spannender. Das Meer und all seine Geschichten, die es erzählen kann. Vom Leben, vom Sterben, von Tieren, die wir niemals sehen werden. Von Freundschaft, von Liebe und den großen Seeschlachten. Von gemeinsamen Träumen, den riesigen Schiffen und Piraten. Dem Delphin, der einsam durch die Wellen tanzt und seine Familie wieder findet. Hoffnung und gleichzeitig so viel Leid. Schätze, die wir sich nichtmal erträumen lassen. Überall. Fast schon zum Greifen nah und doch so weit entfernt. Das Glitzern am Meeresgrund und tausende bunte Fische, die darin ihr Zuhause gefunden haben.

Ich lasse den Blick schweifen und wiedermal erkenne ich, wie schön es ist. Das Meer. Das tiefe Blau. Die Wellen. Das Leben. Diese Welt!! Diese eine Welt, die uns gehört und auf die wir doch so wenig achten.

Und dann fängt sie an zu lächeln. Denn sie hat das Meer gesehen. Das Blau, die Weite und die Tiefe. Die unendliche Freiheit und die Hoffnung. Das Strahlen in ihren Augen und die großen Träume. Vergessen. Alle Sorgen ausatmen und das Gefühl von Leichtigkeit. Luft. Und ein Zuhause. Weit weg von allem. Weit weg. Könnte sie doch eines Tages sein wie das Meer. Und unzählige, tausende Geschichten erzählen, die doch für immer ihr Geheimnis blieben. Die sie bewahrt und auf die sie Acht gibt.

Und dann habe ich das Meer gesehen. Von weitem. Aus der Luft. Und ich musste lächeln. So blau, so wunderschön. So unschuldig und trotzdem weiß ich, wie brutal es sein kann. Stille Wasser sind tief, sagt man. Es scheint ruhig zu sein. Zumindest heute. Die vielen Schiffe am Horizont und die kleinen Inseln im Wasser. Wunderschön. Losfahren anstatt irgendwo festzusitzen. Im Alltag und dem Leben, das uns manchmal doch zu sehr einschränkt. In Pflichten und Erwartungen, die wir uns selbst auferlegen, weil wir denken, dass andere es erwarten. Der unsichere Blick in den Spiegel, den wir nur allzu gern riskieren um einen Blick auf das Bild zu werfen, das wir uns vormachen. Das wir so gerne sein möchten. Perfekt und perfekter als gestern.

Das Meer ist tief. Und blau. Und weit. Perfekt, wunderschön, verlockend und gefährlich. Und es erzählt Geschichten, die wir uns nichtmal vorstellen können.

 

Die Kiste ganz hinten im Schrank

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Ausmisten. Endlich mal alles ausräumen. Platz schaffen um wieder atmen zu können und loslassen. Dinge, die man schon längst vergessen hat und ohnehin nie wieder vermissen würde. Bloß nicht zu genau hinschauen, denn das alles sind Erinnerungen, die uns doch wieder die Kraft nehmen würden, den letzten Schritt zu machen.

Doch da steht sie. Die Kiste, ganz hinten im Schrank. Feinsäuberlich verschlossen und dort hinten abgestellt. Längst vergessen, dass sie dort steht und doch viel zu wertvoll um sich davon zu trennen. Ich hole sie hervor und streife mit meiner Handfläche vorsichtig über den Deckel, auf dem ein Zettel klebt. Mit den Fingerspitzen fahre ich die Linien des Schriftzuges nach und muss lächeln. Es ist noch garnicht so lange her, dass ich sie zuletzt in der Hand hatte und trotzdem scheint es eine Ewigkeit her zu sein. In großen schwarzen Buchstaben steht dort „Erinnerungen“.

Ich öffne den Deckel und sofort fallen ein paar Umschläge heraus, denn da hat sich einiges angesammelt und eigentlich ist sie mittlerweile viel zu klein. Ich hebe sie auf und setze mich aufs Bett. Umschlag für Umschlag hole ich aus der Kiste und falte bedächtig die darin verstauten Briefe auseinander und beginne zu lesen. Manche Wörter zaubern mir ein Lächeln auf die Lippen, während andere einen Kloß in meinem Hals verursachen und vereinzelte Tränen in meine Augen steigen lassen. So viel Gefühl. Wut, Trauer, Erinnerungen, Erlebnisse, Gedanken und Liebe.

„Ich liebe dich!“

Diese Umschläge bedeuten so viel. Sind so wertvoll und so packe ich sie alle wieder ein. In die viel zu kleine Kiste. Ich schließe den Deckel und stelle sie zurück. Zurück in die kleine, freie Ecke ganz hinten im Schrank. Dort wo nur ich sie finden kann und wo niemand danach sucht. Wo ich sie jederzeit wieder hervorholen kann, wenn ich anfange zu vergessen. Oder wenn ich mich einfach nur erinnern will. Wenn ich einen Moment in der Vergangenheit verbringen will.

Ohne zurückzusehen. Ohne Wehmut. Ohne Reue. Einfach nur um nicht zu vergessen.

Das habt ihr mit mir gemacht.

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Ihr habt gelächelt und mich an die Hand genommen. Mich geführt und mir geholfen, bevor ihr mir lachend dabei zusaht, wie ich über meine eigenen Füße stolperte und fiel. Ein erster Aufprall. Ein erstes Gefühl, was es bedeutet. Doch viel zu weit entfernt.

Ihr habt mich getröstet und gehalten. Mich blind verstanden ohne zuzuhören, um mich am Ende nicht ausreden zu lassen und mir zu beweisen, dass ihr besser seid. Älter.

Bis da wieder die Hand war, die mich hielt. Ihr habt mich absichtlich auf die falschen Wege geschickt. Mich gehen lassen, um selbst zu merken, dass sie falsch sind. Sackgassen muss man selbst finden und Erfahrung kann man nicht teilen. Es ist das einzige, was man nicht teilen kann. Immer wieder habe ich euch vertraut und ihr habt mir gezeigt, dass man nicht allen Menschen trauen kann. Habt mich eiskalt im Regen stehen lassen. Ohne Schirm.

Immer wieder ein Stück Schokolade zugeworfen, aber nie die ganze Tafel. Ihr habt mich fliegen lassen. Über die Wolken und gemeinsam haben wir die Zeit vergessen, die ich später so vermisste. Immer wieder der Schlag ins Gesicht um beim nächsten Mal daraus zu lernen.

Doch einmal, nur dieses eine Mal sollte Yoris nicht Recht behalten, denn es war Zeit zu gehen und ich habe den Moment nicht verpasst. Kein Stehen bleiben.

Einen Blick zurück riskiere ich noch, doch dann geht es nach vorne.

Weiter. Denn dieses eine Mal habe ich daraus gelernt und den falschen Weg aus der Ferne erkannt. Er kam mir so bekannt vor. So oft bin ich ihn gegangen. So oft gestolpert und gefallen.

Doch das war nicht eure Schuld. Es war meine. Ich habe das alles gemacht und geschafft und heute schaue ich zurück und sehe euch. Stehend im Regen. Ich könnte lachen, doch ich gehe weiter. Weiter um anzukommen. Irgendwann.

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Sex.

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Ein Abend wie immer. Nichts neues und nichts besonderes. Tanzen, Cocktails und dann ganz unverhofft sind da diese Augen. Die Blicke, denen sie nicht widerstehen kann. Die tödlich sein werden und sie weiß das.

Trotzdem noch einen Blick riskieren. Und noch einen. Ein Lächeln? Natürlich. Aufmerksamkeit. Er kommt zu ihr und lächelt. Er blickt tief in ihre Augen und sie weiß, sie hat verloren.

Komplimente und zwei Cocktails später. Sie strahlt und hängt an seinen Lippen. Will mehr, doch weniger als er. Es gibt kein Zurück. Den Ausgang hat sie längst verpasst.

Zärtliche, beinahe zufällige Berührungen und er hat sie längst da, wo er sie haben will. Erzählt ihr, was sie hören will und sie fällt darauf rein. Will auch garnicht wissen, was das wirklich ist.

Wie es endet wissen beide und noch einen Drink später liegt sie in seinen Armen. Küsse und Verlangen.

Zwei leere Stühle an der Bar. Beide sind verschwunden. Verschwunden in eine Nacht, die nicht für beide enden wird wie geplant.

Zwei Tage später. Sie starrt auf ihr Telefon und wartet. Vergeblich drückt sie immer wieder die Home Taste, in der Hoffnung das Klingeln einfach nur verpasst zu haben. „Es war schön“.

Warum ruft er dann nicht an?

Tränen in den Augen und das Gefühl von Leere. Nicht gut genug zu sein. Vielleicht sogar hässlich. Nicht liebenswert.

Es klingelt. Die beste Freundin ruft an. Versucht zu retten, was zu retten ist, doch sie kann nur noch die Scherben aufheben. Scherben einer Seifenblase, die der Alkohol aufgebaut hat und die am nächsten Morgen, als er schon weg war, in tausend Teile zerplatzt ist. Das Wissen, dass er sich nicht melden wird. Niemals. Obwohl er es gesagt hat. Und die Realität, dass alles, was er sagte gelogen war nur um zu bekommen, was er wollte. Sex.

Wenn ich es vorher gewusst hätte.

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Wenn ich das alles vorher gewusst hätte. Dann wäre es anders gewesen. Damals und jetzt auch. Ich wäre die Straße nicht so achtlos entlang gelaufen, ich hätte noch ein letztes Mal versucht mir alles einzuprägen. Mich an jedes Detail zu erinnern und so niemals zu vergessen. Alles aufsaugen und behalten. Für immer. Für später. Wenn du nicht da bist.

Ich wüsste noch welche Farbe die Fensterläden haben und an welcher Ecke ich links abbiegen musste. Die Türklingel, die ich so oft gedrückt habe. Und der Moment in dem mir nicht bewusst war, dass es das letzte Mal sein wird.

Ich hätte gelächelt und nicht geweint. Hätte getanzt und nicht den letzten Abend auf diesem einen Stuhl verbracht. Mehr geredet, oder vielleicht auch weniger. Noch ein letzter tiefer Blick in deine Augen und ein letztes Mal dieses Strahlen. Mehr Zeit und weniger Ausreden. Weniger Nachdenken. Über die Zukunft.

Ich hätte dir gesagt, wie wichtig du mir bist. Die letzten Sonnenstrahlen des Sommers und der letzte Tag am See. Wir wären dort gewesen anstatt zuhause. Weil es der letzte schöne Tag war, doch wir wussten es nicht.

Wir hätten genossen und entspannt. Weniger Stress. Von allem einfach ein bisschen mehr und von vielem ein bisschen weniger.

Eine Träne in meinen Augen beim Abschied. Doch den gab es nie. Aus. Einfach so.

So warten wir. Auf ein vergebliches Wiedersehen und ein Happy End. Happy End für uns. Egal ob einzeln oder zusammen.

Viele Wege. Hand in Hand. Zusammen und doch allein.

Hätte ich das vorher gewusst. Ich wäre noch einen Moment stehen geblieben. Hätte zurück geschaut. Auf das, was war. Auf das, was ich zurück lasse. Doch wir rannten. Unseren Träumen entgegen. Immer schneller und konnten es kaum erwarten.

Hätten wir das vorher wissen können? Es gibt Abschiede, die kann man nicht nachholen.

Kein Aufwachen. Kein Zurück und auch kein Zweifel.

Wenn ich es vorher gewusst hätte – Aber das habe ich nicht!!!

Nebel und Feuer.

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Das ist wie Nebel und Feuer.

Die Ruhe vor dem Sturm.

Die Flammen, die brennen und sich selbst zerstören.

Wie der Phönix aus der Asche und die Sonne, die ewig scheint.

Der Vulkan ist eben kein einfacher Berg, den man erklimmt.

Er kann ausbrechen. Immer.

Unberechenbar und doch so vorhersehbar.

Überraschungen und das was man schon immer kommen sieht.

Fesselnd wie das Meer und tief. Verloren gehen und gefunden werden.

Vom Weg abkommen und ankommen um wieder aufzubrechen. Nicht festlegen, aber Entscheidungen treffen.

Aus dem Gleichgewicht der Waage fallen und taumeln.

Wie Nebel und Feuer. Die Ruhe vor dem Sturm. Der Vulkan, der ausbricht und aufstehen. Wie der Phönix aus der Asche.

Nebel und Feuer. Und die Sonne, die ewig scheint.