Standing Ovations für uns alle..


Und im Licht der Scheinwerfer vergesse ich die Welt. So gemein sie auch manchmal sein mag, ich kann eure gehässigen Gesichter nicht sehen. Bin geblendet und schaue ins nichts. Ich strahle, weil ich euer Getuschel nicht hören kann. Ein bisschen mehr Glitzer bitte. Ein bisschen mehr für euren Neid.Ich liebe das. Die Zeit steht fast schon still, denn sie spielt keine Rolle.

So hart geprobt, so oft gefallen und immer wieder aufgestanden. Verletzungen gehören dazu. Anstatt Salz in die Wunde zu streuen kleben wir Pflaster auf die blutigen Füße und fangen von vorne an.

Ich kann fühlen wie ihr mich anstarrt. Geradezu darauf wartet, dass ich einen Fehler mache. Ausrutsche und falle. 

Drehungen, Sprünge, die erste Hebung und plötzlich fühlt sich das alles leicht an. Leicht und sicher. Denn ich weiß was ich mache. Und ich stehe hier oben, während ihr ganz hinten auf den letzten Plätzen sitzt. 

Zu beschäftigt damit Steine auf Wege zu legen, anstatt die eigenen auf die Seite zu schaffen. Das ist so einfach. 

Doch ich kann euch sagen, standing Ovations sind so viel besser als Menschen stolpern zu sehen. Konkurrenz.

Ich tanze. Ich fühle. Ich stehe im Scheinwerferlicht und das beste? Zusammen mit euch. Denn hier ist niemand allein. Standing Ovations für uns alle. Das haben wir uns verdient. Nicht für die perfekte Show sondern für Freundschaft, Zusammenhalt, Vertrauen, Verständnis und dafür hat es sich gelohnt. Gelohnt zu kämpfen. 
Meine lieben Tanzfreunde, das ist für euch. Und ihr wisst genau, wovon ich rede. 

Das sagt „man“ so..

Vertrauen ist schwer. Fallen lassen. Los lassen. Sich an den Glauben klammern, nicht enttäuscht zu werden. Keine Tränen. Oder ein gebrochenes Herz.Das heilt. Sagt man. Aber hat man auch schonmal blind vertraut? Wurde man schon einmal enttäuscht? Ich meine jetzt nicht die kleinen Dinge. Hat man gefühlt? Ist man gefallen? Man sagt ja immer viel. Aber so viel wie man sagt, so wenig Ahnung hat man.

Das heilt. Irgendwann. Und dann muss man wieder vertrauen. Doch die Erinnerung kommt zurück. Ein falscher Satz und ein D’eja vu. Schon wieder. Das war doch damals auch schon so. Vernunft. Kopf. Herz. Wer redet am lautesten? Welche Stimme übertönt? Wer gewinnt.

Herz über Kopf sagt Joris. Weiß er wirklich wovon er da spricht? Herz über Kopf. Vernunft? Hat er vergessen. Intuition sowieso. Gefühle. Das gehört dazu. 

Hab ein bisschen Vertrauen. Hör auf dein Herz. Hör auf dein Gefühl. Mach was dein Bauch dir sagt. Wenn dein Kopf sagt es ist falsch, dann hat er Recht. Geh deinen eigenen Weg. Glaub an dich. Das alles sagt man. 

Und so vertraue ich meinem Herzen, denn es fühlt was mein Bauch mir sagen will und mein Kopf redet nicht mit. So gehe ich meinen eigenen Weg in dem festen Glauben daran, dass man Recht hat. 

Ich vertraue. Blind. Manchmal auch den falschen Menschen. Werde verletzt. Enttäuscht. Aber auch geliebt.

Ich ziehe los in die große Welt und treffe so viele Menschen. Muss mich auf sie einlassen und irgendwie haben wir alle die selbe Geschichte. Wir sind unterwegs um anzukommen oder um aufzubrechen. Manchmal sogar um wegzulaufen. So viele einsame Träume, so viele gebrochene Herzen und so viel was uns noch erwartet. Erwarte nicht zu viel. Das sagt man auch, aber Erwartungen treiben uns an. Sie retten unseren Tag und machen das Leben so viel besser. Wer nichts erwartet kann nicht enttäuscht werden? Ist nicht wahr.
Wir reden stundenlang und sind im inneren alle gleich. Kennen uns besser als wir denken. 

Es sind die vielen gebrochenen Herzen die diese endlosen Geschichten schreiben, die wir so gerne lesen. Aus diesen Scherben werden Filme gemacht. Und wir schauen sie an um zu fühlen, was wir auch alleine fühlen können. Doch oft nur ohne Happy end. Ein gebrochenes Herz kannst du nicht brechen, sagt man. Aber die Beweise dafür liegen auf der Hand. Wir müssen sie nur greifen und uns einmal mehr im Leben Gedanken über unser Gegenüber machen. Nur dieses eine Mal. Heilung gibt es keine, aber Hilfe. Und Hoffnung.

Dafür sind wir gemacht. Wir hoffen, wir glauben. Wir träumen und vertrauen blind. Naiv vielleicht, aber das ist es was uns ausmacht. Das ist es Wert. Herzen brechen leise und einsam. Aber sie heilen. 

Irgendwann.

Update MS4 – Welcome back!


Seit knapp zwei Wochen laufe ich jetzt schon wieder täglich den gewohnten Weg von meiner Kabine hoch auf Deck 5 zu meinem Arbeitsplatz, stelle täglich wieder die gewohnten Fragen und ziehe wieder meine Uniformen an. Dusche in der viel zu kleinen Dusche und schlafe in meinem kleinen Bett, dass ich jeden Abend von der Wand klappe. Diesmal wusste ich, was mich erwartet und ich habe vorgesorgt und viele kleine Dinge dabei, die einem das Leben auf engstem Raum erleichtern.


Endlos weites, blaues Meer zieht täglich am Fenster der Kantine vorbei und ich bin jeden Tag wo anders. Das Haus ist immer dabei, nur der Garten, der ist neu.

Gesehen: Viele alte und bekannte Gesichter, verschiedene Häfen und Städte, ein Militärschiff im Hafen, Kanonen, 1000 Jahre alte Eichen, Esel und Kühe. Pferde und Fohlen, grüne Wiesen, England, Spanien und Frankreich. Piraten in Weymouth. Endlich auch wieder Das Meer, Sonnenuntergänge und strahlend blaues Wasser.

Gedacht: Das ist wie nach Hause zu kommen, als ob man nie weg gewesen wäre.

Vermisst: So einiges. Neben meiner Familie und Freunden natürlich ganz besonders meine beiden süßen Miezies, Lila und Marie und auch meine über alles geliebte heiße Badewanne. Endloses, funktionierendes!!! Wifi von zuhause, das ich nicht pro Minute bezahlen muss, Schweinebraten mit Knödeln und mein Wärmekissen. Außerdem habe ich es vermisst keinen normalen Schlüssel zu haben, denn ich habe mich wiedermal aus meiner Kabine ausgesperrt und musste 30 Minuten warten, bis mir jemand aufgemacht hat. Und natürlich ihn.

Gefreut: Darüber dass so viel mehr Leute, die ich kenne hier sind, als ich ursprünglich dachte. Es war also wirklich nicht komisch, zurück zu kommen. Pakete!! Embarkation Day ist mir immer ein Fest, weil ich so liebe Leute zuhause habe, die mich immer mit ein paar Kleinigkeiten überraschen.

Gefragt worden: Wieviele Kinderrettungswesten hat Musterstation F? Warum dürfen Frauen Spiegelreflexkameras haben? Darf ich meine Jacke holen, wenn mir kalt ist? Kann ich mein Parkticket bei Ihnen bezahlen?

Orte: Southampton – Portland – Weymouth – Bilbao – La Rochelle – Honfleur – Zeebrugge – Amsterdam

Gehört: Harry Potter und der Orden des Phönix, aber ich bin erst in der Mitte. Ganz viel Musik, wirklich jede freie Minute. Aktuell besonders? Mumford&Sons.

Update MS4 – Abschied und bis bald


Umarmungen, Cocktails, Lachen und vereinzelte Tränen in den Augen, als sie zum letzten Mal meine Hand umklammerte. Hatten wir doch so viel gemeinsam erlebt, die letzten vier Monate. Zusammengewachsen und wiedermal unzählige Erinnerungen, die ich nicht mehr missen möchte. Winken am Gleis und diese Leere. Dieses Gefühl, wenn man dann allein im Zug sitzt. Wenn die geliebte Heimat am Fenster vorbei zieht und man weiß, man wird lange Zeit nicht zurück kommen. Noch einmal genau hinschauen, denn wenn ich zurück komme wird es anders aussehen.

Keine grünen Blätter mehr, keine blühenden Wiesen. Abschied nehmen. Dafür bin ich nicht gemacht. Das ist nichts für mich und doch gehört es einfach dazu. Loslassen. Da überwiegt sie kurz, die Wehmut. Setzt sich einfach auf den freien Platz neben mir und grinst mich gehässig an. „Du hast es dir doch ausgesucht. Das ist dein Leben.“ Ja, das ist es und ich muss lächeln, denn was auf mich wartet ist wunderbar. Nicht besser und nicht schlechter als das, was ich zurück lasse. Aber aufregender.

Ich hole meinen kalten Kaffee aus der glitzernden Tasche, die neben mir auf dem Boden steht und bin unendlich dankbar so viele tolle Menschen in meinem Leben zu haben, die mir den Abschied so schwer machen. Aber dann kommt sie noch, die Vorfreude. Sitzt mir gegenüber und strahlt. Erzählt von vergangenen Abenteuern und alten Freunden. Vom Wiedersehen und neuen, aufregenden Dingen. Sie warten und ich kann es kaum noch erwarten. Ich komme. Ich bin auf dem Weg.


Ab jetzt möchte ich euch ein bisschen mehr mitnehmen auf meine Reise „Fotografin auf einem Kreuzfahrtschiff“. Los geht es natürlich heute mit meiner Abreise und da möchte ich euch ein bisschen was erzählen.

vorbereitet: Die letzten Tage habe ich damit verbracht alles mögliche einzukaufen, meine Koffer zu packen und mich von meinen Freunden und meiner Familie zu verabschieden. Abschiede fallen mir immer schwer, aber jetzt freue ich mich doch schon sehr. Außerdem hatte ich einen wundervolle Abschiedsparty. Danke an alle die da waren und mit mir gefeiert haben.

gedacht: Irgendwie vergehen vier Monate schneller, als man denkt. Eigentlich bin ich doch erst nach Hause gekommen, aber so schwer es war nach Hause zu kommen, so schwer ist es jetzt doch auch wieder zu gehen. Außerdem frage ich mich gerade noch wie ich jemals die beiden Koffer alleine von der Gepäckablage heben soll und damit von einem Gleis zum nächsten laufen um in den Anschlusszug zu steigen. Aber ich habe das schon einmal geschafft und das werde ich auch dieses Mal. Das W-Lan hier im Zug ist unglaublich schnell und läuft total stabil. Hab ich nicht erwartet.

schwerster Abschied: Natürlich meine Mama, meine beste Freundin und meine kleinen Katzis Lila und Marie.

gelesen: Viele Abschiedsnachrichten, gefühlte hundert mal meine Packliste, Zugtickets und leider viel zu wenig Zeit um wirklich ein gutes Buch zu lesen. Außerdem die Speisekarte im ICE für die erste Klasse. Garnicht schlecht und auch wirklich normale Preise.

gehört: Chainsmokers- Something just like this rauf und runter und die Hörbücher von Harry Potter gelesen von Rufus Beck. Sind einfach die besten. Außerdem noch ganz viel andere Musik.

geschrieben: ganz ganz viele Seiten in meinem Tagebuch und auch ein paar Blogbeiträge vorbereitet, dass ihr während meiner Abwesenheit etwas zu lesen habt und mich nicht vergesst.

Jetzt wünsche ich euch eine schöne Restwoche und genießt den Sommer. Habt ihr Fragen, schreibt einfach in die Kommentare.


 

„Geredet, das haben die Leute schon immer!“

 

„Geredet, das haben die Leute schon immer….“ Ein sehr weiser Rat, den ich einmal bekommen habe. Wie Recht sie doch hatte. Damals. „Aber wie sie reden, so vergessen sie es auch wieder. Es wird langweilig und die Probleme anderer sind immer besser als vor der eigenen Türe zu kehren…“

Haben wir nicht alle unsere Leichen im Keller? Dinge, die niemand weiß und die trotzdem jeden so brennend interessieren würden? Aber dann stellen wir uns gegenseitig an den Pranger nur um selbst gut dazustehen. Ablenkungsmannöver. Schlupflöcher suchen. Zielen und Schießen. Erzählen voller Stolz die Fehler der Nachbarn. Selbst machen wir nämlich keine. Wahrheit? Wen interessiert’s?! Bunt, ausgeschmückt und dramatisch muss es sein. Vorwurfsvoll und anklagend. Blicke, die töten und Worte, die unehrlicher nicht sein könnten.

„Wer im Glashause sitzt soll nicht mit Steinen werfen…“ Aber wie ihr mir, so ich euch. Verurteilen ohne zu wissen. Doch in ein paar Monaten? Die bunte Titelseite der Zeitung ist längst im Altpapier verblasst und nun ziert sie ein neues Gesicht. Ein neuer Titel. Ein Titel der anklagt. Verurteilt. Ausschmückt und es schlimmer darstellt, als es ist. Ein Titel der niemanden etwas angeht. Aber doch irgendwie jeden. Schließlich betreffen uns die Probleme anderer. Wir können sie schlimmer machen. Das ist doch schonmal was. Helfen? Warum denn. Über was könnten wir reden? Eben.

So kommt jeder einmal dran. Das ist fair. Das ist gerecht. Und ist Gerechtigkeit nicht genau das, was wir wollen? Das ist einfach. Das ist echt. Das fühlt sich gut an. Bis wir morgen unser eigenes Foto auf Seite zwei entdecken und hoffen, ja schon beten, dass es nicht auf Seite eins landet. Dass vielleicht die Geschichte von Seite drei ein bisschen mehr gepuscht wird.

„Das war schon immer so. Geredet, das haben die Leute schon immer, aber erst wer in den Schuhen des anderen gegangen ist, der kann wirklich mitreden!“

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Als ich mir zu meinem 13. Geburtstag (2001) ein Handy wünschte, war mir nicht bewusst, was es für Folgen haben sollte. Wie jede damalige 13-jährige, wollte ich ein Handy haben, unabhängig von stinkigen Telefonzellen und Telefonkarten sein, unabhängig von Mamas Telefon, dass sowieso immer von ihr besetzt war und natürlich ganz wichtig, nicht anrufen, sondern schreiben. Sms waren wie ein Wunder. Cool. Man kann doch tatsächlich „Wie gehts dir?“ verschicken? Wie unglaublich war das denn??!!

Tja und dann die große Enttäuschung auf dem bunt gedeckten Geburtstagstisch, denn das gewünschte Mobiltelefon war nicht dabei. Uncool. So sehr gehofft und dann war es wieder nichts. Kein Handy. Keine Sms. Nichts.

Allerdings war es dann Weihnachten so weit. Ich packte mein allererstes Handy aus. Siemens C30, sagt vermutlich kaum jemandem mehr was, aber ich war unheimlich stolz, denn es hatte eine rote Bildschirmbeleuchtung!! (Keine gelbgrüne, so wie alle anderen!!) Könnt ihr das fassen?? Aber ja, es konnte auch wirklich nicht mehr als fünf verschiedene, pfeifende Klingeltöne, hatte nur zwei Zeilen und ja, sonst konnte man telefonieren und Sms schreiben. Aber es war für mich wie ein kleines Wunderding. Glücklicherweise bekam auch meine beste Freundin eins und so ging die Schreiberei los… Puuh wie schnell da 15.-€ weg waren, denn von Flatrates war die Welt noch weit entfernt… und so lernten wir bald, dass am Ende des Geldes auch alle Smsen ein Ende haben. Hmm…
Aber der Mensch ist ja erfinderisch und so stand fast zeitgleich das Internet und mein erster eigener Computer vor der Tür und der Platz auf dem Schreibtisch war damit auch hinfällig. E-mails, was für eine tolle Erfindung und Chats. Wunderbar. Wenn das Geld am Handy schon so schnell flöten geht. Tja, da hatten wir allerdings auch die Rechnung ohne meinen Papa gemacht, denn auch bei ihm machte die Not erfinderisch und bevor seine 13-jährige Tochter vorm PC in ihrem Zimmer versumpfte, wurde ein Programm installiert und nach einer Stunde Internet, war Schluss. Internetverbindung weg… Danke Papa! Kein Geld. Keine Sms. Und auch kein Internet.

Aber Kinder sind ja auch nicht dumm, die Notlösung war bald gefunden: ICQ! Kennt das überhaupt noch jemand? Ein super Chatprogramm, denn aus irgendwelchen Gründen erkannte der Computer ICQ nicht als Internetprogramm und es lief auch nach einer Stunde noch weiter. Toll oder?
Später folgten dann Skype, Lokalisten, MSN und alles, was man sonst noch so uuuuuuuunbedingt haben muss. Aus meinem geliebten Siemens C30 wurde ein Nokia 3310 und noch ein paar neuere Modelle, bis ich vor ein paar Jahren mein erstes iPhone in den Händen hielt. So vorsichtig, als würde es jeden Moment zerbrechen. Einfach zu Staub zerfallen. Wunderding. Diesmal aber wirklich.

Handys können jetzt fotografieren und wenn man es nicht deaktiviert, bekommt man alle fünf Minuten nervige App-Benachrichtigungen. Die früher so sehr geliebten E-mails sind nur noch nervig, wenn man am Tag an die 150 Spam Mails bekommt und auch Facebook ist nicht mehr das, was wir uns damals davon erhofften. Es war doch so toll, jedem zu zeigen, was man gerade macht und wo man im Urlaub ist.
Eine E-mail ist so schnell geschrieben, niemand denkt mehr darüber nach, was man schreibt, warum auch? Ist ja gleich ne neue Mail getippt, wenn man etwas vergessen hat.. Wieso sollte man sich anrufen wenn etwas ist, es reicht doch, den whatsapp Status zu aktualisieren. Neuerdings sogar mit Fotos.

Und meine Facebook-Startseite? Ist nur noch eine Werbeplattform für Firmen und Produkte, die mich nichtmal annähernd interessieren. Sehen was meine Freunde machen? Fehlanzeige.
Was ist aus den schönen alten Briefen geworden, dem Kratzen der Feder über das Papier, warum brauch ich ein Online-Album, wenn Fotos einkleben und beschriften so viel Spaß macht? Stundenlange Telefonate mit der besten Freundin? Man schreibt sich schnell bei Whatsapp.

Noch bevor ich meine Augen morgens richtig aufgeschlagen habe, greife ich nach meinem Smartphone um aktuell zu sein. Um zu sehen was ich die letzten sechs Stunden (mitten in der Nacht) verpasst habe. Da gibt es so einiges, denn dass die S-Bahn wiedermal streikt interessiert mich als Autofahrerin morgens um neun, wenn ich ausschlafen kann, natürlich brennend. Außerdem haben meine Lieblingsblogger bei Instagram natürlich auch heute wieder Zeit gehabt sich das perfekte Frühstück mit Pancakes und frischen Früchten zu machen. Neid. Arbeiten die überhaupt?

Aber eigentlich bin ich doch ganz zufrieden mit meiner Bambi Tasse voll Kaffee aus dem Vollautomaten und meinem Toast mit Nutella. Nicht hübsch genug für ein Foto, aber doch viel zu lecker um auf Chia-Samen mit Apfel umzusteigen. Mal ehrlich? Niemand kann mir erzählen, dass das schmeckt, aber Instagram und Youtube geben es vor. Und schön sieht es auch noch aus. Zu schön. Perfekt! Und ist gesund. Gesünder.

Auch ich möchte nicht ohne mein iPhone leben und trotzdem wünsche ich mir manchmal, wir würden alle wieder mehr miteinander reden, anstatt uns auf sämtlichen Kanälen zu texten, simsen, mailen und Fotos zu teilen. Einfach mehr zusammen und weniger allein. Denn mal ehrlich? Wir können uns noch nicht bei Instagram oder Facebook zum Kaffee verabreden. Dazu müssen wir uns nach wie vor life sehen und das ist gut so.

 

Was sollte sich hier verändert haben?

 

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„Was sollte sich hier veränder haben? Alle leben in ihrem alten Trott. Genauso wie vorher…“ Sagt sie fast schon teilnahmslos, während es eine kurze Zeit dauert bis die Worte in meinem Kopf ankommen.

Was habe ich erwartet? Dass sich meine Welt in 5 Monaten komplett verändert? War es mehr Angst als Erwartung? Doch irgendwas muss sich verändert haben. Doch scheinbar ist danichts. Alles ist wie zuvor. Der Alltag. Das Leben.

Ich komme nach 5 Monaten zurück nach Hause. Ich habe die Welt gesehen. Zumindest fühlt es sich so an. Einen kleinen Teil. Und ich habe gearbeitet. Gelernt. Gelacht, geweint, getröstet, geträumt, zugehört, gefeiert, getanzt, erzählt, aufgebaut, erlebt, vermisst, gefunden und geliebt. Vor allem geliebt.

Freunde, Situationen, lektionen, Erinnerungen. Spaß und Pflicht. Alles mitgenommen und nichts vergessen. Ich habe es in meinem Kopf. Manches in meinem Herzen.

Ich habe Fragen gestellt und mich weiterentwickelt. Ein bisschen mehr ich. Ein weiterer Traum ist erfüllt. Viele Punkte auf der Bucket-List abgehakt. Nicht alleine, sondern zusammen.

Ich habe mich verlaufen. Mehrfach! Geholfen und gekämpft. Für ein Ziel. Der Rückflug nach Hause. In den Alltag. In das Leben, das ich vor 5 Monaten fein säuberlich in meiner kleinen Wohnung eingeschlossen habe. Auf das ich einen Blick zurück riskiert habe mit der Hoffnung, dass alles noch so sein wird, wenn ich zurück komme. In der Erwartung, dass sich alles verändert hat.

Nicht bloß die Jahreszeit. Die grünen Blätter sind verschwunden. Auf den Ästen glitzert der Schnee in der Sonne. Wunderschön.

„Was sollte sich hier verändert haben? Alle leben in ihrem alten Trotz. Genauso wie vorher….“ Die Worte hallen in meinem Kopf nach und mir wird bewusst, dass ich es bin die sich verändert hat. Die es nicht glauben wollte und trotzdem kommen sah. Die sich an weise Worte erinnert, die sie vor 5 Monaten gehört hat: „Es ist nicht einfach zu gehen, aber es ist schwer nach Hause zu kommen.“

Und so packe ich alles in meinen Koffer. Was keinen Platz hat behalte ich im Herzen. Auf ein Wiedersehen. Und einen Abschied, der mir sicher ein paar Tränen abverlangt. Viele Umarmungen und Stolz. Eine lange Liste an E-Mail Adressen und Telefonnummern. Namen und Erinnerungen. Geschichten zu erzählen und Momente die bleiben.

Ich habe gearbeitet. Gelernt. Gelacht, geweint, getröstet, geträumt, zugehört, gefeiert, getanzt, erzählt, aufgebaut, erlebt, vermisst, gefunden und geliebt. Vor allem geliebt. Ich habe einfach gelebt.